2RS, ZZ, C3, P5… Was bedeuten diese Bezeichnungen eigentlich?

Sie halten ein Wälzlager mit der Bezeichnung 6204-2RS-C3 in der Hand und wissen nicht genau, was die Zahlen und Buchstaben bedeuten?
Damit sind Sie nicht allein!
Lagerbezeichnungen enthalten zahlreiche Informationen: Abmessungen, Abdichtung, Lagerluft, Genauigkeitsklasse und vieles mehr. Hat man die grundlegende Logik einmal verstanden, lassen sich die Bezeichnungen deutlich einfacher lesen.
In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen die wichtigsten Bezeichnungen einfach und verständlich, damit Sie Wälzlager besser unterscheiden und die passende Ausführung auswählen können.
Beginnen wir mit einem Beispiel: 6204-2RS-C3
Diese Bezeichnung liefert uns bereits mehrere Informationen:
6204 → Lagertyp und Abmessungen
2RS → Art der Abdichtung
C3 → Lagerluft
Ein zusätzlicher Nachsetzzeichen wie P5 kann beispielsweise die Genauigkeitsklasse angeben.
Wichtig ist: 2RS, C3 und P5 beschreiben nicht dieselbe Eigenschaft. Jede dieser Angaben sagt etwas anderes über das Lager aus.
Schauen wir uns die Unterschiede genauer an.
1. Abdichtung: 2RS oder ZZ?
Einer der ersten Unterschiede zwischen verschiedenen Wälzlagern betrifft die Abdichtung bzw. Abdeckung. Die Bezeichnungen 2RS und ZZ geben an, wie das Lager auf beiden Seiten geschützt ist.
Was bedeutet 2RS bei einem Wälzlager?
2RS bedeutet, dass das Lager auf beiden Seiten mit einer Dichtung ausgestattet ist.
Diese Dichtungen bestehen in der Regel aus einem Elastomer, je nach Hersteller und Ausführung beispielsweise aus synthetischem Kautschuk wie NBR. Sie können zusätzlich durch ein Metallblech verstärkt sein.
Die Dichtungen erfüllen hauptsächlich drei Aufgaben:
- Staub und Verunreinigungen vom Lagerinneren fernhalten;
- das Schmierfett im Lager halten;
- die Wälzkörper während des Betriebs vor äusseren Einflüssen schützen.
Kurz gesagt: 2RS = hoher Schutz.
Da die Dichtung in der Regel an einem Lagerring anliegt, entsteht jedoch mehr Reibung als bei einer berührungslosen Metallabdeckung.
Gut zu wissen: Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller. Je nach Marke und Lagertyp finden Sie beispielsweise 2RS, 2RSR oder 2RS1.
Was bedeutet ZZ oder 2Z?
Ein ZZ-Lager besitzt auf beiden Seiten eine metallische Deckscheibe. Bei Schaeffler wird dafür insbesondere die Bezeichnung 2Z verwendet. Im Gegensatz zu einer berührenden 2RS-Dichtung arbeiten diese metallischen Deckscheiben in der Regel berührungslos. Dadurch wird die Reibung sehr gering gehalten.
Kurz gesagt: ZZ / 2Z = geringe Reibung und Schutz vor Partikeln.
Diese Ausführung ist besonders interessant, wenn höhere Drehzahlen gefragt sind und die Anwendung keine so starke Abdichtung wie bei einer berührenden Dichtung erfordert.
Was ist der Unterschied zwischen 2RS und ZZ?
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Eigenschaft | 2RS | ZZ / 2Z |
|---|---|---|
| Schutz | Elastomerdichtungen | Metallische Deckscheiben |
| Kontakt | In der Regel berührend | In der Regel berührungslos |
| Abdichtung | Hoch | Geringer |
| Reibung | Höher | Sehr gering |
| Drehzahl | Abhängig von der Dichtung | Gut für hohe Drehzahlen geeignet |
| Schutz vor Verunreinigungen | Sehr gut | Gut gegen Partikel |
Es gibt also keine Ausführung, die grundsätzlich besser ist. Ob ein 2RS- oder ZZ-Lager die bessere Wahl ist, hängt vor allem von der Umgebung und den Betriebsbedingungen der Maschine ab.
Gibt es einen Kompromiss zwischen Reibung und Schutz?
Ja, die Rede ist hier vom 2RZ. Dabei handelt es sich um eine reibungsarme Lösung, die einen Kompromiss zwischen dem Schutz einer 2RS-Dichtung und der Drehzahlleistung eines 2Z-Flansches bietet. Der 2RZ ist besonders interessant, wenn das Lager mit relativ hoher Drehzahl laufen muss und gleichzeitig einen besseren Schutz vor Verunreinigungen benötigt als bei einfachen Metallflanschen. Die Verringerung der Reibung trägt zudem dazu bei, die Erwärmung des Lagers zu begrenzen.
2. Lagerluft: Was bedeutet C3?
Bei C3 geht es nicht mehr um die Abdichtung. Diese Bezeichnung beschreibt die Lagerluft des Wälzlagers.
Was ist die Lagerluft?
Auch ein neues Wälzlager besitzt zwischen seinen einzelnen Komponenten ein sehr geringes Spiel. Stellen Sie sich vor, Sie könnten den Innenring ganz leicht gegenüber dem Aussenring verschieben. Dieser kleine Bewegungsspielraum wird als Lagerluft bezeichnet. Diese Lagerluft ist gewollt und wird bei der Herstellung genau definiert.
Warum? Weil verschiedene Faktoren die Lagerluft nach dem Einbau und während des Betriebs verändern können:
- Temperatur;
- Wärmeausdehnung der Werkstoffe;
- Passung auf der Welle;
- Passung im Gehäuse;
- Belastungen;
- Betriebsbedingungen.
Die ursprüngliche Lagerluft muss deshalb zur vorgesehenen Anwendung passen. Beispielsweise wird ein C3-Lager häufig für Anwendungen bei hohen Temperaturen eingesetzt.
Was bedeutet C3 bei einem Wälzlager?
C3 bedeutet, dass das Lager eine grössere Lagerluft als die normale Lagerluft besitzt.
Das bedeutet keinesfalls, dass das Lager verschlissen oder fehlerhaft ist. Die grössere Lagerluft ist beabsichtigt und bereits bei der Herstellung vorgesehen.
Zu den wichtigsten Lagerluftklassen gehören:
C2 → kleiner als Normal
CN → normale Lagerluft
C3 → grösser als Normal
C4 → grösser als C3
C5 → grösser als C4
In vielen Fällen wird CN nicht ausdrücklich in der Lagerbezeichnung angegeben. Fehlt ein spezielles Nachsetzzeichen für die Lagerluft, kann es sich – je nach Baureihe und Hersteller – um die normale Lagerluft handeln.
Ist ein C3-Lager besser?
Nein. Das ist ein häufiges Missverständnis. C3 bedeutet weder „höhere Qualität“ noch „höhere Präzision“. Es bedeutet lediglich, dass das Wälzlager eine grössere Lagerluft als Normal besitzt. Benötigt Ihre Anwendung eine normale Lagerluft, kann der Einbau eines C3-Lagers ohne technischen Grund ungeeignet sein.
3. Genauigkeit: P6, P5, P4…
Kommen wir zu einer dritten wichtigen Eigenschaft: die in den ISO-Normen festgelegten Toleranzklassen für Wälzlager. Sie gibt unter anderem an, mit welcher Genauigkeit bestimmte Abmessungen und Laufeigenschaften des Lagers eingehalten werden. Auch bei Lagern in Zoll-Masseinheiten findet man die ABEC-Klassifizierung.
Was bedeutet die Genauigkeit eines Wälzlagers?
Nehmen wir zwei Wälzlager mit exakt denselben Nennabmessungen. Auf den ersten Blick können sie identisch erscheinen. Trotzdem können sie mit unterschiedlichen Toleranzen gefertigt worden sein. Je höher die Genauigkeitsanforderungen einer Toleranzklasse sind, desto geringer sind die zulässigen Abweichungen bestimmter Abmessungen und Laufeigenschaften. Dies ist besonders bei Maschinen wichtig, die eine sehr hohe Präzision erfordern.
Welche Genauigkeitsklassen gibt es?
Je nach verwendeter Klassifizierung finden Sie unter anderem folgende Toleranzklassen:
Normal / PN (P0 in bestimmten Bezeichnungssystemen) → normale Genauigkeit
P6 → erhöhte Genauigkeit
P5 → hohe Genauigkeit
P4 → sehr hohe Genauigkeit
P2 → extrem hohe Genauigkeit
Dabei gibt es eine wichtige Besonderheit:
Je kleiner die Zahl, desto enger sind die Toleranzen.
Das bedeutet:
P5 ist genauer als P6.
P4 ist genauer als P5.
P2 ist nochmals genauer als P4.
Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewohnt.
Ist P6 der Standard?
Nicht ganz. Die Klasse Normal, häufig als PN bezeichnet, entspricht der normalen Toleranzklasse. P6 besitzt bereits engere Toleranzen als die Normalklasse. Je nach Lagertyp, Baureihe und Hersteller können bestimmte Toleranzklassen jedoch als Standardausführung einer bestimmten Produktreihe angeboten werden.
Wann werden P5- oder P4-Lager eingesetzt?
Eine höhere Genauigkeitsklasse wird besonders dann interessant, wenn eine hohe Laufgenauigkeit entscheidend ist.
Solche Wälzlager kommen beispielsweise zum Einsatz in:
- Werkzeugmaschinen;
- Spindeln;
- Schleifmaschinen;
- Messgeräten;
- Hochgeschwindigkeitsmaschinen;
- hochpräzisen mechanischen Anwendungen.
Bei einer klassischen Industrieanwendung ist eine sehr hohe Genauigkeitsklasse deshalb nicht automatisch erforderlich.
4. Können 2RS, C3 und P5 kombiniert werden?
Ja. Und genau das ist einer der wichtigsten Punkte. Diese Angaben können miteinander kombiniert werden, weil sie unterschiedliche Eigenschaften eines Wälzlagers beschreiben.
Nehmen wir ein bewusst vereinfachtes Beispiel:
6204-2RS-C3-P5
Die Bezeichnung könnte folgendermassen gelesen werden:
6204 → Lagertyp und Abmessungen
2RS → Dichtungen auf beiden Seiten
C3 → grössere Lagerluft als Normal
P5 → erhöhte Genauigkeitsklasse
Beim Lesen einer Lagerbezeichnung liefert also jeder Teil zusätzliche Informationen über das Wälzlager.
Achtung: Dieses Beispiel dient dazu, die grundlegende Logik zu erklären. Der genaue Aufbau der Bezeichnungen sowie die verfügbaren Nachsetzzeichen unterscheiden sich je nach Hersteller und Lagerbaureihe.
5. Das Wichtigste auf einen Blick
Die wichtigsten Unterschiede lassen sich einfach zusammenfassen:
| Kennzeichnung | Bedeutung | Betrifft |
|---|---|---|
| 2RS | 2 Dichtungen | Schutz / Abdichtung |
| ZZ / 2Z | 2 metallische Deckscheiben | Schutz / Abdeckung |
| C2 | Kleiner als Normal | Lagerluft |
| CN | Normale Lagerluft | Lagerluft |
| C3 | Grösser als Normal | Lagerluft |
| C4 | Grösser als C3 | Lagerluft |
| PN / Normal | Normale Toleranzen | Genauigkeit |
| P6 | Engere Toleranzen | Genauigkeit |
| P5 | Genauer als P6 | Genauigkeit |
| P4 | Genauer als P5 | Hohe Genauigkeit |
| P2 | Extrem enge Toleranzen | Höchste Genauigkeit |
Noch einfacher können Sie sich diese drei Fragen merken:
2RS / ZZ → Wie ist mein Wälzlager geschützt?
CN / C3 / C4 → Welche Lagerluft besitzt mein Wälzlager?
P6 / P5 / P4 → Welche Genauigkeitsklasse besitzt mein Wälzlager?
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Eine Bezeichnung wie 6204-2RS-C3 erscheint bereits deutlich verständlicher, wenn man die einzelnen Bestandteile kennt. Bei industriellen Anwendungen kann die Wahl der richtigen Ausführung jedoch schnell komplex werden.
Schüpbach unterstützt Fachleute bei der Identifikation und Auswahl von Wälzlagern, die optimal auf ihre Maschinen und technischen Anforderungen abgestimmt sind.
Dank unserer Erfahrung und der Zusammenarbeit mit namhaften Herstellern bieten wir Lösungen für die Industrie, den Maschinenbau, die Präzisionsmechanik sowie die Uhrenindustrie.
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